Hans Liechti - Regisseur BVR - ARF/FDS

Filme

Auf dieser Seite finden Sie Informationen zu ausgewählten Filmen von Hans Liechti als Regisseur oder Kameramann:

Das gefrorene Herz Kamera, 1979
Das Boot ist voll Kamera, 1980
Passion Kamera (Vorbereitung), 1981
Der Tod des Mario Ricci Kamera, 1982
Akropolis Now Regie und Buch, 1984
Die Reise Kamera, 1985
Dario M. Regie, 2003

Das gefrorene Herz

Das gefrorene Herz bei "The Internet Movie Database"
Kritik bei cineman.ch
Kritik bei prisma-online.de
Kritik bei swisscharts.com
Die DVD bei columbusfilm.ch

 

 

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Das Boot ist voll

Das Boot ist voll bei "The Internet Movie Database"
Das Boot ist voll bei markus-imhoof.ch
Das Boot ist voll bei artfilm.ch
Die DVD bei amazon.de

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Markus Imhoof.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Passion

Immer wieder werde ich gefragt: „Hast du wirklich mit Godard gearbeitet?“
„Ja.“
„Hast du „Passion“ mit ihm gedreht?“
„Jein.“
„Nun, was jetzt? Bei „Passion“ zeichnet doch Raul Coutard als Kameramann.“

Also das war so (unvollständige und subjektive Erinnerungen): Nachdem der dreimalige Kamera-Oscar-Gewinner Vittorio Storaro das Angebot für „Passion“ abgesagt hatte, erhielt ich ein Telefon: Jean-Luc Godard wolle mich in seinem Produktionshaus in Rolle (VD) kennen lernen.

Mit zittrigen Knien fuhr ich hin. Godard, dessen frühere Filme ich alle gesehen und bewundert habe, dessen spätere ich aber nicht mehr so richtig verstand...

Er war mir auf Anhieb sympathisch, obwohl ich seine Augen hinter der dunklen Brille kaum sehen konnte. Doch seine Stimme klang sanft, als er mich in die Küche bat. Er trug einen Fischgratsakko, hatte eine erloschene „Boyard“ zwischen den Lippen, war unrasiert, setzte sich mit dem Rücken zum einzigen Fenster hin, zündete die „Boyard“ an (was er im Verlauf des Gesprächs x-mal tat) und verschwand in ihrem hellen Rauch. Während ich ins Gegenlicht blinzelte, fragte er mich nuschelnd über Fredy Murer aus, über dessen Film „Grauzone“, den er, Godard, lobte – auch meine Kamera! Da ich in Französisch nie besonders war, hatte ich mir angewöhnt, kurze Sätze zu sagen: „Fredy est magnifique.“

Jean-Luc gefiel mein selbstloses Lob, ich glaubte, ein Lächeln auf seinem Gesicht zu erhaschen. Dann erzählte er von „La Petite“, einem Kamera-Prototyp, die neue Aaton-35mm, die er, zusammen mit dem genialen Konstrukteur Jean-Pierre Beauviola (Grenoble) kreiert hatte. Bisher gab es nur die Aaton-16mm, mit der ich auch schon meine Erfahrungen machte. Und obwohl ich (damals Citroën-Fahrer) ein Flair für französische Produkte habe, nervten mich auch oft deren Schwachstellen. Der Citroën blieb x-mal stehen und die Aaton brachte mich beim Drehen nebst ihrer Genialität auch zur Verzweiflung, weil wieder mal der Film nicht durchlief, oder dauernd zerkratzte, oder die Elektronik...

Aber Jean-Luc war von „La Petite“ überzeugt: Diese sei mit Fixoptik und 60 Meter-Kassette so klein, dass man sie am Tischrand festschrauben könne. Sie sei zwar laut, doch das würde ihn nicht stören, er würde dann einfach den Wasserhahn aufdrehen. Abrupt fragte er, wo ich hier, in dieser Küche, das Licht messen würde? Ich schaute mich um und deutete zum Fensterbrett. Jean-Luc fand das interessant und fragte, wenn ich da drin einen Scheinwerfer aufstellen würde, wo ich den hinstellen würde. Ich sagte nirgends hin, hier möchte ich ohne zusätzliches Licht drehen.

Ich erhielt einen Vertrag als Chefkameramann für den Teil des Spielfilms „Passion“, der an Originalschauplätzen in der französischen Schweiz spielte.
Im andern Teil, der im Pariser Studio Billancourt gedreht wurde, sollte ich dann einen Kameramann spielen, der von Godards langjährigem Kameramann Raul Coutard gefilmt werde.

Ich begann in Rolle mit den Vorbereitungen zum Dreh in der Schweiz. Anfänglich ging es dabei vor allem um „La Petite“. Obwohl Jean Luc sie nur ungern aus den Händen gab und jeden Abend den kleinen Metallkoffer mit ihr drin in sein gleich nebenan liegendes Privathaus trug, war trotzdem immer irgendwas mit ihr nicht in Ordnung. So fuhr ich mit ihr und Jean Luc, oder mit ihr und Hugues Ryffel (2. Kamera), oder mit ihr und André Simmen (Kameraassistent) insgesamt ca. zehn Mal betreffend Reparatur und Weiterentwicklung nach Grenoble. Ein durchschlagender Erfolg stellte sich aber leider nicht ein - und Jean-Luc musste sich für eine Arriflex 35-BL entscheiden.

Dies tat er sehr ungern. Er mochte das deutsche Ding überhaupt nicht und beauftragte André und mich, nachdem wir mit der durchgecheckten Arri von München nach Rolle zurückkamen, für sie ein Motelzimmer, 20 Kilometer entfernt von Rolle, zu mieten. Eins mit Dusche, damit sich das Ding selbst waschen könne.

Was die Kamera betrifft, so hätten die Dreharbeiten nun eigentlich beginnen können. Dies fanden auch die zwei weiblichen Stars Isabelle Huppert und Hanna Schygulla. Sie saßen seit drei Wochen beschäftigungslos im Hotel rum und wurden langsam ungeduldig. Aber Jean-Luc verschob auch den nächsten, vorgesehenen Drehbeginn auf übernächste Woche. Hanna fragte er, was sie denn im Film spielen würde. Eine Barmaid, war die irritierte Antwort. Dann soll sie in eine Bar arbeiten gehen und Isabelle in die Fabrik, sie würde ja eine Fabrikarbeiterin spielen.
Mir gab er den Auftrag, die beiden ab dem ersten Tag regelmäßig bei ihrer Arbeit aufzunehmen. So drehte ich Isabelle Huppert an einer komplizierten Stanzmaschine und Hanna Schygulla hinter einer Bar. Beide waren anfänglich in der fremden Umgebung mit ihren neuen Aufgaben völlig überfordert. Das Blech bog sich ächzend in alle falschen Richtungen, und ins Bierglas spritzte nur Schaum. Doch nach wenigen Tagen war Isabelle eine routinierte Fabrikarbeiterin und Hanna eine perfekte Barmaid.

An einem Montagmorgen zeigte mir Jean-Luc in der Küche einen Prospekt. Darauf war ein Stativ mit einem O’Connor-100-Schwenkkopf abgebildet, auf den eine große Videokamera montiert wurde. Ob ich ihm sagen könne, ob man eine solche Kamera auf einen O’Connor-100-Schwenkkopf montieren könne? Ich glaubte zuerst, mein Französisch sei wieder mal zu schlecht, doch dem war nicht so. Er fragte das tatsächlich und sehr freundlich. Da ich selbst einen O’Connor-100 besaß, sagte ich spontan: „Ah, oui, Jean-Luc, regarde“, deutete auf den Prospekt und fügte an: „C’est pas d’problème!“
Irgendwas an meinem letzten Satz ärgerte ihn sehr, und völlig humorlos meinte er, ich würde sofort mit ihm nach Paris fliegen um ihm dort zu zeigen, ob eine solche Kamera wirklich auf einen O’Connor-100 passe.

Wir flogen nach Paris, er war wortkarg, wir fuhren ins Studio Billancourt, dort standen mehrere Stative mit O’Connor-100 Schwenkköpfen, darauf die entsprechenden Videokameras, und mir Trottel rutschte raus: „Tu vois, Jean-Luc, pas d’problème!“
Er nuschelte knapp, ich soll sofort nach Zürich reisen, dort bei Cinérent einen kleinen „Cinéjib“ (Kran) mieten, den in mein Auto laden und damit, zusammen mit André, nach Paris fahren. Dort, hier, im Studio Billancourt, erwarte er uns in vier Tagen, morgens um Neun. Dann wolle er sehen, ab eine solche Kamera tatsächlich auf einem O’Connor-100-Schwenkkopf montiert werden könne und ob das alles auf den Jip-Arm passen würde.

André und ich führten den Auftrag aus. Jean-Luc’s Verhalten ergab natürlich Gesprächsstoff. U.a. fragten wir uns, ob er das von Vittorio Storaro auch verlangt hätte. Doch es war uns auch klar, dass das, was hier ablief, ziemlich speziell war. Ich hatte den Eindruck, Jean-Luc suche mit all diesen Besonderheiten die Form für den Film. Und ich glaubte zu spüren, wie sehr er darunter litt, dass die auf sich warten ließ.

Vier Tage später, morgens um Neun, kam er mit vier uns unbekannten Leuten ins Studio Billancourt. Viertagebart, dunkle Brille, erloschene Boyard, sehr höflich. Geduldig ließ er sich von uns alles zeigen und erklären, setzte sich auf den Jibarm, ließ sich rum- hoch- und runterfahren, fragte, ob das wirklich ein O’Connor-100 sei und dies wirklich die Kamera vom Prospekt. Nachdem wir ihn ohne „Pas d’problème“ davon überzeugen konnten, meinte er zufrieden: „Vous avez très bien travailler. On ç’vois lundi à Rolle.“

Lundi à Rolle. Für Dienstag plante Jean-Luc einen Dreh in der Morgendämmerung. Die Szene: Straßenarbeiter teeren eine Straße. Das deutsche Ding soll das aufnehmen, der Tonmann soll am Set Lautsprecher aufstellen und Musik von Mahler laufen lassen. Und, ganz wichtig: so wenige Autos wie möglich!

Wir waren ca. 15 Teammitglieder, die um 03.30 zur verabredeten Kreuzung fuhren. In drei Personenwagen, inkl. Material. Wir hatten Glück, das Wetter war ideal. Wir bereiteten alles vor, wollten Jean-Luc einen guten Dreh bieten, und wir freuten uns, weil wir glaubten, nach vielen Wochen Vorbereitung würde es nun losgehen. Als in der frühen Dämmerung sein Wagen anfuhr, dampfte der heisse Teer, die Arri (die so klein wie möglich war) stand bereit, Mahlermusik drang aus den großen Lautsprechern, und die Straßenarbeiter und Teammitglieder waren in den Startlöchern. Der Wagen hielt, Jean-Luc öffnete sein Fondfenster einen Spalt weit, schaute auf die Szenerie, sagte: „Trop d’voitures“, schloss das Fenster, und der Wagen fuhr davon.
Wir wussten nicht was tun. Schließlich packten wir das Material wieder ein, fuhren ins Hotel, frühstückten und gingen schlafen.

In dieser Eigenart vergingen insgesamt fünf Monate. Dann stand Weihnachten vor der Tür und das Gerücht machte die Runde, der neue französische Co-Produzent hätte Tacheles geredet: Anfang Januar würde es im Studio Billancourt losgehen, ohne „Petite“ und ohne Arri, dafür mit einer Panavision.

Ich hatte einen festen Termin mit der Autorin Susanne Kappeler verabredet, um mit ihr die erste Fassung des Drehbuchs für „Akropolis Now“ zu schreiben. Den konnte und wollte ich nicht weiter verschieben. Also musste ich mich schweren Herzens von Jean-Luc trennen. Beim unseren Schlussgespräch in der Küche nuschelte er mir zu: „Tu était très doux, Hans.“

Und Du warst eine einzigartige Erfahrung für mich, lieber Jean-Luc. Für diese (und andere) wunderbaren Erlebnisse bin ich Dir ewig dankbar.


Passion bei "The Internet Movie Database"
Verleih: Neue Visionen Filmverleih
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Der Tod des Mario Ricci

Der Tod des Mario Ricci bei "The Internet Movie Database"
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Akropolis Now

Akropolis Now

Akropolis Now bei "The Internet Movie Database"
Verleih: Langfilm
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Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Langfilm.

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Die Reise

Die Reise bei "The Internet Movie Database"
Die Reise bei markus-imhoof.ch
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Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Markus Imhoof.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Dario M.

 


Dario M. bei "The Internet Movie Database"
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