Hans Liechti - Regisseur BVR - ARF/FDS

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Spielfilmprojekt „Der letzte Frühling“ (AT)

08.08.2008 – Drehbuch
„Der letzte Frühling“



Produktion: Peter Spoerri, PS Film, Zürich - Co-Autorin: Claudia Selenati - Dramaturg: Roland Zag

Das Projekt wurde im Zürcher „Café Odeon“ geboren. Dort verkehren u.a. auch einige plus 60-Männer, Schweizer, die international den Ruf haben, gut situiert aber schlecht befriedigt zu sein. Dies zieht junge Frauen aus Südamerika, Asien, Afrika und Osteuropa an, die viel mehr Lebensfreude ausstrahlen, aber viel weniger Geld besitzen.
Ökonomische Not gegen Sexualnot. Das ist der Deal.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Paul Steiner (61). Er lebt mit seiner Frau Caro (59) in einem modernen Reiheneinfamilienhaus nahe am Stadtrand von Zürich.
Paul und Caro sind seit über 30 Jahren zusammen. Früher waren sie ein großes Liebes- und Reisepaar. Heute ist Paul Besitzer des Brillengeschäfts „Steiner Optik“ und Caro Besitzerin der „Galerie Caro Bodmer“. Und ihre Beziehung hat sich mittlerweile sehr abgekühlt.

Beide leiden darunter. Doch sie haben verlernt, darüber zu sprechen und wissen nicht, wie sie die Situation verbessern könnten. Um seine aufkommende Lustlosigkeit und Schweigsamkeit zu bekämpfen, schluckt Paul Anti-Depressiva und trinkt viel Rotwein. Und Caro erledigt immer öfter im Ausland ihre Arbeit.

In dieser Phase lernt Paul die junge, schöne und lebensfreudige Kenianerin Shani (Deutsch: Wunderbar) kennen. Und kurz darauf Leya (35), die reife Brasilianerin, in deren Gegenwart seine Betonhülle abzubröseln beginnt ...

Hat da die Beziehung mit Caro noch eine Chance? Soll sie das überhaupt noch haben? Oder ist ein anderer Neuanfang besser, lebendiger?
Das sind die wichtigsten Fragen, die „Der letzte Frühling“ beantworten oder offen lassen soll.

Das BAK (Bundesamt für Kultur, Sektion Film) beurteilte unsere Exposéeingabe positiv, und wir erhielten eine Drehbuchförderung. Vielen Dank!
Dem steht leider, nach zweimaliger Eingabe, eine definitive Absage der Zürcher Filmstiftung gegenüber. Die Begründung war, die Hauptrolle Paul sei nicht sympathisch. Bei solchen Sätzen kommt mir immer (noch) die Galle hoch. Deshalb stellen wir doch ein Förderungsgesuch, um daran arbeiten zu können!
Ist die Geschichte gut oder schlecht? Das sollte die wichtigste Frage und der eigentliche Maßstab für Förderungsgremien sein.
Und „Der letzte Frühling“ ist eine gute Geschichte.
Wir machen auch so weiter, weil wir an einen Erfolg glauben. Dass uns dabei bereits schon der Verleiher Frenetic Films in Zürich unterstützt, beflügelt uns zusätzlich.



04.09.2009 – Spielfilmprojekt „Der letzte Frühling“

Von Oktober 08 bis Juli 09 schrieb ich acht Drehbuchfassungen. Der Produzent Peter Spoerri, der Dramaturg Roland Zag, die zwei Lektorinnen Henriette Buegger und Susann Wach, der Supervisor Georg Janett, die Co-Autorin Claudia Selenate und ich bildeten das Drehbuchteam.

Jede Fassung wurde intern besprochen und mit Roland Zag analysiert und diskutiert.
Dann schrieb ich weiter, die nächste Fassung - und erinnerte mich zwischendurch an einen Satz von Wim Wenders, der lautet: „Drehbuchschreiben ist die Hölle.“

Aber es lohnte sich! Wir sind mit der 8. Fassung sehr zufrieden. Die Geschichte hat einen guten Spannungsbogen und ist glaubwürdig, was mir besonders wichtig ist. Wir wissen aber auch, dass das Buch noch nicht perfekt ist. Doch bis zum vorgesehenen Drehbeginn im Sommer 2010 werden wir ein sehr gutes Buch in den Händen haben und eine spannende und anrührende Geschichte erzählen können. Davon sind wir überzeugt.

Am Eingabedossier für die Förderung beim BAK in Bern arbeiteten Peter Spoerri und ich genauso akribisch. Wir machten ein Casting (Corinna Glaus) für die Hauptrollen, begannen mit der Bildung des Teams, erstellten ein Marketingkonzept, ein Budget, einen Drehplan,... und kümmerten uns um mögliche Koproduzenten in Deutschland und Österreich.

Für die drei Hauptrollen und die Head of Departements traf ich mich mit ca. 25 Leuten zum Gespräch. Alle hatten vorher das Drehbuch gelesen, und die Geschichte war jeweils auch gleich das Hauptthema. Auffallend dabei war, wie alle von ihr beeindruckt waren und wie viele von den Älteren nach kurzer Zeit offen von ihrer eigenen Geschichte, ihren Liebschaften, Ehe- und Familienleben, Trennungen, Scheidungen und von neuen oder keinen neuen Beziehungen erzählten. Ein gutes Zeichen dafür, dass sie sich mit der Geschichte und ihren Figuren identifizieren konnten, und dass sie davon emotionell berührt waren.
Doch nicht nur die Älteren, auch die jüngeren Semester empfanden die Geschichte als absolut
eigen, einzigartig und nötig, weil ein Film über dieses Thema in der Schweiz fehlen würde.

Zufrieden dürfen wir also feststellen, dass um das Projekt eine gute Stimmung weht.

Die Wahl für die Hauptrollen fiel auf Wolfram Berger als ‚Paul’, auf Sibylle Canonica als ‚Caro’ und auf Dietrich Siegl als ‚Andi’.
Die Rolle der Brasilianerin ‚Leya’ müssen wir möglicherweise aus Brasilien besetzen.

Von der Teamseite liegen Absichtserklärungen von Rainer Klausmann (Kamera), Marina Wernli (Schnitt), Michael Baumgartner (Ausstattung), Marcel Vaid (Musik), Connie Sacchi (Maske), Verena Haerdi (Kostüm), Thomas Lüdemann (Ton) und Daniel Howald (Regieassistenz) vor.

Das fertige Dossier zählte nur etwa zwei Seiten weniger als das Drehbuch. Am 27. Juli 09 gaben wir das Projekt beim BAK zur Förderung ein.

Eine lauernde Zeit des Wartens. Ein untätiges, nicht unnervöses Rumsitzen. Was ist, wenn...?

Es wurde mir unwohl und ich begann eine neue Geschichte zu schreiben: „Sein und Shine“ Sie handelt von einem Schweizer Schauspieler (Max Rüdlinger), der trotz relativ hohem Bekanntheits- und Beschäftigungsgrad jeweils Ende Monat nicht weiß, wir er schon wieder die Miete für seine bescheidene Genossenschaftswohnung bezahlen soll.

Doch davon später mehr.

Kehren wir zurück zu „Der letzte Frühling“.

Am 16. September, 10.45, sind Peter Spoerri und ich zu einem Gespräch über das Filmprojekt mit den Experten des Ausschuss ‚Spielfilm’ geladen. Eine halbe Stunde lang werden wir im Hotel ‚Jean-Jaques Rousseau’ in La Neuville wohl durch den Fleischwolf gedreht. Und das ausschließlich von Experten, die 20 und mehr Jahre weniger Erfahrung auf dem Buckel haben als wir. Ohne polemisieren zu wollen, kam mir der Gedanke...

Aber wer weiß, vielleicht verlassen wir ja fröhlich die Runde. Vielleicht herrscht ja eine sympathische Stimmung und wir können die Experten mit unserer Begeisterung anstecken?

Hoffentlich!

Eine Woche später kommt der Bescheid.
Fällt er positiv aus, machen wir uns an die Arbeit: Finanzierung, Casting, Drehbuch, Eingaben, Rollenstudium, Drehbuch, Motive, Auflösung,... - Drehen.

Ist der Bescheid negativ, werden wir die Beanstandungen im Drehbuch überarbeiten, ein neues Dossier erstellen und den nächsten Eingabetermin am 26. Oktober anvisieren. Den neuerlichen Bescheid erhalten wir dann vor Weihnachten. Das geht auch. Obwohl wir Zeit verlieren und dadurch viel weniger für die Vorbereitung bleibt.

So oder so: ‚Kinostart Januar 2010’ steht in der Absichtserklärung des Verleihers ‚Frenetic Films’. Und daran soll sich nichts ändern.



20.09.2009 – Gespräch mit den Experten des Ausschusses „Spielfilm“

Das Gespräch mit den Experten des Ausschuss ‚Spielfilm“ betreffend eines Herstellungsbeitrags für das Projekts „Der letzte Frühling“ war gut. Es fand in einer angenehm sympathischen Stimmung statt. Alle Fragen bezüglich Umsetzung, Besetzung, Drehorte, Auswertung, etc. waren berechtigt und brachten uns nicht in Verlegenheit.

Wir fuhren motiviert zurück, obwohl wir wussten, dass unser Eindruck täuschen kann. Wir haben außer einem hoffnungsvollen Gefühl noch nichts erreicht.
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